Fliegenfischen für Anfänger (wie ich es einer bin…)

Kurz vorweg, ich bin begeisterter Barschangler. Am liebsten Fische ich kurze Light oder Medium Light Spinnruten. So bis 2,10m und mit max 14 g. Wurfgewicht. Das kommt natürlich aber auch auf das Gewässer an. Wenn ich am Rhein fische, brauche ich auch schonmal etwas mehr Wurfgewicht. Dort greife ich dann auch hin und wieder auf meine 2,40m Rute mit bis zu 60 g. Wurfgewicht zurück. Trotzdem habe ich auch hier meine feinen Ruten immer dabei. Ich bin immer offen für neue Methoden, inspiriert u.a. durch Youtube Channels wie Kanalgratisdotse entdeckte ich vor einiger Zeit das Barschangeln mit der Fliegenrute, bzw. mit einem Streamer. Ich hatte nie wirklich Interes se am Fliegenfischen, doch als ich sah was Daniel Bergman and Steffan Jensen damit alles so anstellten, war ich direkt angefixt!

Von dem Vorbereitungskurs für den Angelschein ist nicht wirklich viel vom Thema Fliegenfischen hängen geblieben. Darum durchstöberte ich nun erstmal verschiedene Foren, Blogs und sonstige Youtube Videos, um erstmal zu verstehen wie das Fliegenfisch im Allgemeinen überhaupt funktioniert. Ich muss sagen, es ist schon ein ziemlich umfangreiches Thema, aber wenn man sich ein wenig mit dem Thema Fliegenfischen beschäftigt, versteht man schnell worum es eigentlich geht.

Will man sich eine Fliegencombo zulegen, muss man sich erstmal die Frage stellen, was will ich überhaupt damit machen? Denn es gibt wie beim Spinnfischen unterschiedliche Ruten für unterschiedlichen Zielfische. Die sogenannten AFTMA Klassen (American Fishing Tackle Manufactures Amerika). Also müssen wir zum einen wissen “Wo” möchte ich damit angeln und “Was” ist mein Zielfisch. Wenn man das weiß, kommt man schnell zu einem Ergebnis.

Folgend habe ich die AFTMA Klassen etwas beschrieben.

AFTMA – Klasse 0-2

Sehr feine Ruten, für das superleichte Trockenfliegenfischen am kleinen Bach. Auf kleine Fische. Bei dieser Klasse sollte man ausschließlich mit kleinen Fischen rechnen.

AFTMA – Klasse 3-4

Feine Ruten für das Fischen mit Trockenfliege und Nymphe auf z.B. Aschen, Forellen oder kleiner Weißfische wie Rotfedern, Rotauge oder Hasel usw. Etwas dickere Nymphen lassen sich mit dieser Klasse nur sehr schwer werfen und erfordert wenn überhaupt viel Erfahrung.

AFTMA – Klasse 5

Die sogenannte Standardruten-Klasse zum Fischen mit der  Trockenfliege und Nymphen auf Bach- oder Regenbogenforellen, Äschen und Döbel.

AFTMA – Klasse 6

Die klassische Allrounder Klasse… Mit dieser Klasse fischt man nicht nur geeignet mit der  Trockenfliege und Nymphen auf Bach- oder Regenbogenforellen, Äschen oder Döbel. Vielmehr ist diese Klasse auch hervorragend dafür geeignet mit kleineren Streamern auf Barsch oder an der Ostsee mit Wurmstreamern auf Meerforellen zu gehen. Daher ist meiner Meinung nach, diese Klasse perfekt für jeden Einsteiger, da sie einiges abdeckt und man sich nicht direkt festlegt.

AFTMA – Klasse 7

Mit dieser Klasse wird es nun schon etwas schwerer. Zielfische sind hier Zander, Rapfen, kleiner Karpfen oder Brassen oder große Forellen! Die Ruten sind für mittelgroße Streamer oder schweren Nymphen ausgelegt.

AFTMA – Klasse 8-9

Bei dieser Klasse steht ein Zielfisch ganz oben auf der Liste, der Hecht. Ideal um große Streamer durch die Luft zu transportieren, um diese auch auf Distanz zu bekommen. Allerdings lässt sich dies auch schon gut in der Salzwasserfischerei einsetzen, Wolfsbarsch oder kleiner Jacks oder kleiner Tarpone.  

AFTMA – Klasse 10-12

Jetzt wirds richtig Heavy… Wer auf extremes steht und gerne mit der Fliegenrute im Salzwasser auf Tarpone, große Goldmakrelen (Mahi Mahi), Barrakuda, Jacks usw. aus ist, ist hier genau richtig. Im Süßwasser wird diese eher weniger genutzt, allerdings eignet sie sich ebenfalls sehr gut für das Angeln auf große Hechtmuttis.

AFTMA – Klasse 13 bis 16

Die Big Game Klasse. Schwerstes Gerät welches nur zum Fischen auf die größten geiegnet ist. Thunfisch, Marlin oder Segelfisch. Extremes Salzwasserangeln eben.

Will man also an einem kleinen Bach fischen, benötigt man eine Klasse 3 oder 4. Will man an einem Fluss oder auf einem See auf Barsch streamern und zusätzlich auch mal auf Forelle am Bach oder einem kleineren Fluss, eignet sich eine Rute der Klasse 5 oder 6. Auf Zander oder Rapfen startet man mit mind. 7. Auf Hecht sollte es dann eher Klasse 8 – 9 sein.

Ich hoffe ich konnte euch mit der Einteilung der AFTMA Klassen einen ersten Eindruck verschaffen und Ihr wisst nun welche Klasse die richtige für euch ist.

Nachdem ich mich also auf eine Klasse festlegen konnte (AFTMA Klasse 6, denn ich will mit Streamer auf Barsch und hin und wieder auch mal am Bach auf Forelle), wusste ich nun auch welche Rolle ich benötige, eben eine die zu Klasse 6 passt. Oftmals gibt es auch Rollen die sich über mehrere Klassen eigenen, wie z.b. eine für Klasse 5 und 6.

Doch welche Rutenlänge benötige ich? Wie Anfangs erwähnt bin ich eigentlich ein Fan von kurzen Ruten. Jedoch habe ich immer wieder gelesen, dass es einfacher sei das werfen mit längeren Fliegenruten zu üben und erst auf kürzere Ruten umzusteigen, wenn man die Technik erlernt hat und einen sauberen Wurf / Transport dauerhaft zu Stande bringt. Hört sich für mich soweit logisch an. Auch wenn ich nicht 100% happy damit bin, werde ich mir wohl doch eine längere Rute für den Anfang zulegen. Ich fasse also nochmal kurz zusammen, lange Rute Klasse 6, Rolle für Klasse 5 – 6.

Kommen wir nun also zur Schnur… Die Schnur…. ein riesen Thema für sich.  Ich will jetzt nicht soweit Ausholen, denn das Schnur Thema ist wirklich sehr Umfangreich und für Anfänger, wie ich es einer bin, doch eher komplex. Ich benötige dennoch eine Backingschnur, eine Flugschnur und ein Vorfach.

Gehen wir zuerst mal auf die Flugschnur ein. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Schwimmschnur (F = Floating) und Sinkschnur (S= Sinking). Ich entscheide mich als Anfänger für eine Schwimmschnur. So sehe ich besser, wo sich mein Köder befindet und habe dadurch auch weniger Hängergefahr.

Jedoch gibt es für meinen Einsatzbereich eine spezielle Art der Schnur, die sogenannte “Sinktip” (F/S = Floating and Sinking). Diese Schnüre sind schwimmend und sinkend ab der Spitze, um so die Nymphe oder den Streamer schneller in der gewünschten Tiefe zu platzieren. Genau das was ich benötige, um den Köder dort platzieren zu können, wo ich ihn haben will.

Nun zum Vorfach.

Es gibt einige verschiedene Varianten des Vorfachmaterials. Geknotet (mit Schlaufe) ungeknotet, konisch verlaufend, Stahlvorfächer oder ein mir sehr gut bekanntes, das Fluoro Vorfachmaterial. Da ich dieses bereits seit Jahren zum Angeln auf Barsch nutze, werde ich es auch beim Streamern auf Barsch nutzen. Ich nutze Fluoro so um die 0,20 mm. Wenn die Gefahr besteht, dass auch Hechte drauf gehen können, dann geht man besser direkt auf ein  Stahlvorfach.

Backing ist die Ersatzschnur, die hinter der Flugschnur an der Rolle befestigt und mit der Flugschnur verbunden wird. Diese dient wie der Name schon sagt als Back Up, falls mal ein größerer Fisch beißt und mehr Schnur nimmt als gewohnt. Das Backing sollte eine höhere Tragkraft als das Vorfach haben, für das Barsch streamern reicht also eine 20 lb Backing völlig aus. Die Tragkraft wird in der Regel mit “lb” angegeben und bedeutet folgendes.

1 lb = 1 pound = 0,454 kg

Hab ich eine 20 lb Backing Schnur, so hab ich also eine Tragkraft von etwa 9 kg.

Ok, geschafft 😉 also zumindestens wissen wir jetzt welche Klasse und welche Schnur wir benötigen… Doch wie treffe ich nun meine Auswahl? Es gibt hunderte Hersteller / Marken die ihre Produkte an den Fliegenfischer bringen wollen. Jetzt kommt es ganz auf den Geldbeutel und seinen eigenen Qualitätsanspruch an.

Es gibt Starter-Sets von bekannten Herstellern, die man aus anderen Bereichen der Angelei kennt. Komplett-Sets für Einsteiger findet man zu recht günstigen Preisen beinahe überall im Netz und in jedem gut sortierten Angelladen. Meiner Meinung nach spricht erstmal nichts gegen ein solches Set, wenn man sich zum Einstieg für eine günstige Rute und Rolle entscheidet, hat das folgenden Vorteil. In der Regel ist man sich zu dieser Zeit sehr unsicher. Natürlich hat es schon seine Gründe warum diese Sets so günstig Angeboten werden können. Ohne jetzt speziell auf Marken eingehen zu wollen, kann ich sagen, dass diese günstigen Sets natürlich nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Die Verarbeitung lässt schon öfter zu wünschen übrig. Masse in Fernost produziert, Markenname drauf, importiert und raus damit. Aber wie dem auch sei, ich denke jedoch trotzdem das es gerade für die ersten Schritte mehr als ausreichend ist. Ein weitere Vorteil ist, dass in diesen Starter-Sets (wie der Name schon sagt) alles für den Start vorhanden ist, man muss sich also vorerst keine Gedanken zu Backing, Vorfach, Flugschnur, Rolle usw. machen, es ist bereits alles aufeinander abgestimmt. Manche Sets enthalten sogar schon Fliegen, Nymphen oder Streamer. Man kann also direkt starten und ausprobieren ob man überhaupt gefallen am Fliegenfischen findet. Falls ja, kann man sich nach der Testphase immer noch für hochwertigere Komponenten entscheiden. 

Weiter unten habe ich euch ein paar Links zu Starter-Sets auf Amazon zusammengestellt.

Ich hatte mich bereits für ein Starter-Set entschieden, allerdings stand die Aqua Fisch kurz bevor. Also wartete ich noch etwas ab. Ich dachte, dass ich mir dort noch die ein oder andere nützliche Info besorgen kann.

Vor einigen Wochen war es dann soweit, wir fuhren nach Friedrichshafen zur Aqua Fisch. Ich war mit Lars (unserem Kameramann) unterwegs, wir hatten einige Termine und wollten zudem das ein oder andere Interview mit Ausstellern machen.

Hier unser Video zur Aqua Fisch 2018

 

Zwischendurch schaute ich immer nach Ausstellern und deren Angebot im Fliegenfischen.

Die Messe ansich war gut aufgestellt. Es wurden gleichermaßen alle Bereiche (Fliegenfischen, Raubfischangeln, Meeresangeln, Wallerangeln Karpfenangeln u.s.w.)  gut abgedeckt. Zu guter letzt entschied ich mich dann aber doch spontan für eine Loop Q Series Rute Klasse 6 und eine Vision XLA Rolle Klasse 5-6. Letztendlich habe ich schon etwas mehr bezahlt, als ich eigentlich ausgeben wollte. Daher reichte es vorerst nicht mehr für Schnur, Backing, Vorfachmaterial oder Köder. Aber ich muss sagen, die Rute und auch die Rolle sind jeden Cent wert. Man sieht die erstklassige Verarbeitung und weiß das hier qualitativ hochwertige Komponenten verbaut wurden. Liebe zum Detail rundet es am Ende noch zusätzlich ab. Aber es war trotzdem ein Spontankauf, im Nachhinein war ich mir jedoch nicht mehr sicher ob das die richtige Entscheidung war, denn bis Dato hatte ich noch nie eine Fliegenrute in der Hand. Ihr kennt das vielleicht, wenn man auf einer Messe unterwegs ist und sich eigentlich nur Infos einholen will, am Ende kehrt man dann mit leerem Geldbeutel Nachhause… 😉 

 

 

 

 

Zuhause angekommen legte ich jedoch erstmal wieder alles zur Seite, andere Dinge hatten Priorität. Am 01.04. ging dann auch schon die Forellensaison an unserem Hausgewässer los. Ich hab natürlich völlig verpeilt, mir rechtzeitig die Schnüre zu organisieren… Doch mein Teamkollege Niels Jackson, hatte zum Glück noch alles was mir fehlte und stellte es mir zur Verfügung. Danke auch noch an Martin und Waltraudt, die mir mit Nymphen und Fliegen ausgeholfen haben! Somit stand dem Saisonstart letztendlich nichts mehr im Wege.

Ich traf mich mit den Jungs an einem unserer Vereinsgewässere und wir legten los. Auch wenn es alles neu für uns war, konnten wir beim ersten gemeinsamen Fliegenfischen schon einige Fische sauber landen. Das Fliegenfischen hat mega Laune gemacht! Ich will nicht zuviel Vorwegnehmen, ein Video ist nämlich noch in der Mache.

Schlussendlich muss ich sagen, dass mir das Fliegenfischen im Allgemeinen besser gefällt, als ich ursprünglich dachte. Meine Wurftechnik lässt zwar noch zu wünschen übrig, dafür werde ich in den nächsten Wochen / Monaten noch einen Kurs belegen. Dazu dann in Zukunft mehr! Wie ich weiter oben bereits erwähnte habe ich mir weder Fliegen, noch Nymphen oder Streamer besorgt. Dieses Thema werde ich dann im nächsten Beitrag angehen.

Bis dahin, Petri Heil!

Andi

to be continued….

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