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KEIN schöner Tag am Bach!

Willkommen im Anthropozän.

Letzten Montag, den 08.08.2022 erreichte mich gegen 23:00 Uhr eine schockierende Nachricht, gefolgt von einem wirklich niederschmetternden Video.

Martin schrieb mir per WhatsApp, dass er gerade am Gräfenbach in Gutenberg sei, bzw. das was noch davon übrig wäre. Ich öffnete die Videodatei und mir lief es kalt den Rücken runter. Damit hatte ich nicht gerechnet, so etwas hatte ich bis dahin auch noch nicht gesehen.

Ein komplett ausgetrocknetes Bachbett. Dort wo eigentlich Bachforellen, Mühlkoppen oder Bachschmerlen in der Strömung des kühlen, sauerstoffreichen, sauberen Bachwassers stehen sollten, war kein Wasser mehr. Alles weg, nichts mehr! Letztlich weiter Strom aufwärts ein paar wenige, traurige, kleine Wasserpfützchen, in die sich einige Bewohner des Gräfenbachs noch mit letzter Kraft retten konnten. Eine trübe, warme, lebensfeindliche Brühe voll mit Lebewesen die um ihr Leben kämpften. Dort wo kein Wasser mehr war, alles übersäht mit stattlichen Bachforellen, Brutfisch, Krebsen und Kleinstlebewesen, nur leider alle tot.

Wo man hinsah, zwischen den leblosen Kadavern überall noch zuckende Fische. Ich war fassungslos. Es bot sich ein grauenvolles Bild! Martin meinte nur „Scheiße Basti, die verrecken hier alle qualvoll. Das sind tausende, das kannst du dir nicht vorstellen. Ein richtiges Fischsterben spielt sich hier gerade ab!“.Wir mussten was tun, das war klar und zwar schnell. Sofort startete Martin mit Aufrufen über unsere Social-Media-Kanäle und kontaktierte den ASV Nahe 1880. Die schockierende Nachricht ging direkt online und verbreitete sich schnell.

Bewaffnet mit Eimern und mobilen Sauerstoffpumpen machten wir uns am nächsten auf den Weg nach Gutenberg zum Gräfenbach. Dort angekommen, trafen wir uns mit Andi und machten uns an die Arbeit. Einige bekannte Gesichter, die den Aufrufen über die Social Media folgten, kamen ebenfalls dazu bzw. waren bereits vor Ort. Sehr gut, dachte ich!

Ich ging eigentlich davon aus, ich sei durch das Video von Martin bereits recht gut auf das kommende vorbereitet. Aber uns bot sich ein wirklich apokalyptischer Anblick. Ich hatte Gänsehaut. Das trockene Bachbett wirkte nur noch wie das leblose Skelett dieser einst so lebendigen Oase. Eine ausgetrocknete Wüste…

Viel Zeit, um über den schockierenden Zustand des Gräfenbachs nachzudenken, hatten wir nicht und so taten wir, was wir konnten. Etliche Bachschmerlen, Bachforellen, Koppen, Flusskrebse, Gründlinge und Kleinstlebewesen bezeugten, dass hier einst ein völlig intaktes Ökosystem vorhanden war. Schlimm es auf eine solche Weise erfahren und verlieren zu müssen.

Neben den vielen bereits verendeten Tieren, konnten wir dennoch einige Tausend aus ihren letzten Zufluchtstümpeln retten und weiter Stromaufwärts, in ein verbliebenes tieferes Becken zurücksetzen.

Natürlich ist uns die bereits über mehrere Wochen anhaltende Trockenheit nicht entgangen. Jedoch ließ uns das Gefühl nicht los, dass hier irgendwas gewaltig stinkt. Ich meine das Wasser ist in einigen benachbarten Bächen und Flüssen auch langsam richtig knapp und der Pegel fällt zusehends. Aber so plötzlich, war schon wirklich merkwürdig. Und unser Gefühl sollte uns nicht täuschen. Fassungslosigkeit schlug von einem Mal in Wut um! Eine Tauchpumpe! Betriebsbereit hing diese dort in dem übergebliebenen Rinnsal des halb leergesaugten Baches. Im ersten Moment wusste ich nicht so richtig was ich denken soll. Dann schnell gefolgt von „Wie kann man nur so unglaublich rücksichtslos sein!?“.

Damit aber nicht genug, es sollte sogar noch viel dicker kommen. Uns erreichten Nachrichten von einigen Helfern, die sich zu Tal ein Bild der Situation machen wollten. Mehrere Schläuche und Pumpen seien dort gesichtet worden. Martin, Andi und ich machten uns das leere Bachbett entlang auf den Weg zu Berg. Was wir dort feststellen mussten machte uns richtig sauer. Hier waren mehrere Dämme errichtet worden, um das Wasser zu stauen und so besser an das ohnehin schon wenige noch übrig gebliebene Wasser im Bach zu kommen.

WIE VERDAMMT BLIND MUSS MAN EIGENTLICH SEIN!?

Der Mensch versteht es doch immer wieder aufs Neue der Natur die Luft zum Atmen zu nehmen und sie jämmerlich direkt vor seinen Augen ersticken zu lassen. Es macht einen richtig wütend!!! Natürlich mussten wir nicht lange überlegen und räumten die Blockaden, sodass das restlich verbliebene Wasser so langsam wieder seinen Weg fand. In der Zwischenzeit waren nun auch mehrere Mitglieder des ASV Nahe 1880 vor Ort. Ebenso erschüttert und wütend über den Umstand, dass neben der Trockenheit und dem geringen Wasserstand auch noch zusätzlich so kopflos Wasser zum Bewässern entnommen wurde. Nachdem schnell klar wurde welche Dimensionen dieser tragische Vorfall hatte, rief dies auch die Untere Wasserbehörde und die Kripo Bad Kreuznach auf den Schirm. Die Ermittlungen laufen. Für uns war an dieser Stelle nichts Weiteres zu tun, die Fische die wir noch retten konnten, waren umgesiedelt und die Dämme, die gebrochen werden mussten, waren wieder geöffnet.

Noch am gleichen Tag gab es am Abend am benachbarten Ellerbach eine ähnliche Rettungsaktion durch den ASV Nahe 1880 initiiert. Der Verein wird nun in den nächsten anstehenden heißen Wochen verstärkt die Augen offenhalten und immer wieder die Gewässer begehen, um schnell reagieren zu können, sollte der Wasserstand weiter rapide fallen.

Spät am Abend gingen mir die Bilder immer wieder durch den Kopf. Der Tag hatte mich sehr mitgenommen. Dann, in den Nachrichten Berichterstattung über den Zustand der Oder!Das darf doch einfach nicht wahr sein! Offensichtlich auch ein von Menschen gemachtes Problem! Das war zu viel für einen Tag. Ich war richtig abgefuckt! Der Mensch ist Teil der Natur und er braucht diese, um selbst zu leben und zu überleben. Dennoch greift er immer tiefer in ein und zerstört sie wo er nur kann. Aus Eigennutz, Gier und Bequemlichkeit. Ekelhaft!

Denkt mal drüber nach. Brainfuck! Ich bin raus, mir platzt der Kopf!

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